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Der Russenkrieg

Fünf Kriegsjahre verliefen auf Texel eher ruhig, bis georgische Soldaten dem relativen Frieden in der Nacht zum 6. April 1945 ein Ende machten und unsere Insel zum blutigen Schauplatz der „letzten Schlacht Europas“ wurde. In einer sorgfältig gestalteten Ausstellung beleuchtet das Luftfahrt- und Kriegsmuseum Texel diese dramatische Episode, die auf Texel „Russenkrieg“ genannt wird.

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800 georgische Soldaten

Begonnen wurde der Russenkrieg von etwa 800 georgischen Soldaten, die an der Ostfront in Gefangenschaft geraten und zum deutschen Kriegsdienst gezwungen worden waren. Da sich die Inselbewohner mit den verschiedenen Sowjetvölkern nicht auskannten, nannten sie die Georgier der Einfachheit halber „Russen“.

In der Nacht zum 6. April 1945 kamen diese Soldaten in großer Zahl in Aufstand. Dabei schnitten sie fast jedem Deutschen in ihrem Bataillon die Kehle durch. Nach Augenzeugenberichten floss das Blut in wahren Strömen durch die Kasernen.

Tagelang schwere Kämpfe

Für einen Moment schien es, als sei die Insel befreit, doch die Besatzer schlugen mit aller Härte zurück. Schon am nächsten Morgen feuerten die Batterien in Den Helder und an der Südspitze Texels Bomben auf Den Burg ab. Danach tobten tagelang schwere Kämpfe zwischen der ständig nachrückenden deutschen Verstärkung und der schrumpfenden Truppe georgischer Aufständischer.

Die „Russen“ taten, was sie konnten, um wenigstens ihr Leben zu retten. Sie suchten die Unterstützung hilfsbereiter Einheimischer und erzwangen sie, wenn nötig, auch mit Gewalt. Erst am 20. Mai, mit dem Eintreffen kanadische Befreier auf Texel und damit gut zwei Wochen nach der deutschen Kapitulation, endete die Schlacht.

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Opferbilanz: 100 Einheimische und 565 Georgier

Die Folgen waren verheerend: Beim Russenkrieg waren etwa 100 Inselbewohner und 565 Georgier ums Leben gekommen. Die Besatzer hatten ihre Toten und Verwundeten direkt fortgeschafft, sodass die Zahl der deutschen Opfer nie genau festgestellt werden konnte. Schätzungen zufolge waren es jedoch mindestens 1 000.

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Materieller Schaden

Auch der materielle Schaden war beträchtlich. Ein Großteil von Den Burg lag in Trümmern. Im Polder Eierland waren Dutzende Bauernhöfe in Flammen aufgegangen; auch die Kirche von De Waal war zerstört worden. Der Leuchtturm, das letzte Bollwerk der Georgier, hatte schweren Schaden genommen.

Interessierte Besucher können sich in der Ausstellung im Luftfahrt- und Kriegsmuseum Texel umfassend über den Russenkrieg informieren. Auch der Luftkrieg, der Bau des Atlantikwalls und andere Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs werden beleuchtet. Zustande kam diese Ausstellung unter fachkundiger Begleitung und dank des großen Einsatzes zahlreicher Ehrenamtlicher.

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